Stieffamilien – so nannte man früher neu zusammengewürfelte Familiengemeinschaften, die entstehen, wenn ein Elternteil mit Kind(ern) mit einem neuen Partner eine Beziehung eingeht. Der moderne Begriff Patchworkfamilie klingt lustiger und vielfältiger. Dabei sind viele Kombinationen möglich: Die Mutter oder der Vater oder beide bringen jeweils Kinder in die Familie ein, die Kinder leben fest oder zeitweise im gleichen Haushalt und manchmal kommen noch gemeinsame Kinder dazu.

Alles normal: Inzwischen ist eine Patchworkfamilie nicht mehr die Ausnahme wie noch in der letzten Generation. Rund 7 bis 13 Prozent der deutschen Familien leben laut Schätzungen in bunten Gemeinschaftsmodellen. Patchworkfamilien haben ähnlich viel Probleme zu bewältigen wie alle Familien, nur mit anderen Vorzeichen. Sie sind auch richtige Familien, wo jedes Familienmitglied eigene und berechtigte Wünsche hat.

Gewöhnen an die neuen Eltern

Patchwork-Familien brauchen Zeit, um sich aufeinander einzustellen, häufig mehr Zeit als andere Familien. Viele Eltern und neue Beziehungspartner begehen den Fehler, am Anfang zu große Erwartungen an ein reibungsloses Miteinander zu haben. Gerade die Kinder brauchen ihre eigene Zeit, um sich an den neuen Partner zu gewöhnen. Dabei spielt auch das Alter eine Rolle, je kleiner die Kinder, umso leichter können sie sich noch an den Stiefvater oder die Stiefmutter gewöhnen. Kinder zwischen 6 und 12 Jahren haben es besonders schwer und oft geraten sie in Loyalitätskonflikte den leiblichen Elternteilen gegenüber.

Der neue Partner sollte nicht versuchen, Vater oder Mutter zu ersetzen. Sie sollten die Kinder in Ruhe kennenlernen und eher eine Art Freundschaft aufzubauen. Auch wenn es schwer fällt: Das schlechte Reden über den Expartner im Beisein der Kinder ist unbedingt zu vermeiden. Das kann sich negativ für den neuen Partner auswirken.

Sich als Eltern-Team aufstellen

Das neu gemischte Elternpaar hat durch die neue Familiensituation ebenfalls keinen einfachen Stand. Es gibt Angst, allem gerecht zu werden, man sieht sich womöglich Abneigungen, Wut oder Eifersucht seitens der Kinder gegenüber. Hier ist es empfehlenswert, sich nicht so sehr als Front, sondern als Team den Kindern gegenüber aufzustellen.

Manchmal entsteht in dieser neuen Familienkonstellation ein gemeinsames Kind. Das gibt den zusammengemischten Eltern oft das Gefühl „echter“ gemeinsamer Elternschaft. Gerade dann ist es wichtig, die anderen Kinder nicht zu vernachlässigen oder ihnen dieses Gefühl zu geben. Das neue Geschwisterchen wird von den anderen Kindern besser angenommen, wenn sie die Liebe ihres Elternteils deutlich spüren können.

Ein Familienmodell mit Aussicht

In einer Patchworkfamilie gibt es viele neue Beziehungsebenen, die unter Umständen mit vielen neuen Problemen einhergehen, mit neuen Rollen und Unsicherheiten. Jede Befindlichkeit hat für die betreffende Person ihre Berechtigung und sollte nicht unter den Tisch gekehrt werden. Eine wichtige Regel für ein funktionierendes Zusammenleben in einer Patchworkfamilie ist: Möglichst offen mit Konflikten oder Problemen umgehen – zur Not mit Hilfe von Beratern oder Therapeuten. Dann kann eine bunte Patchworkfamilie eine Bereicherung sein und ein Familienmodell, das viel Spaß machen kann.

 

Welche Erfahrungen habt ihr? Gibt es Konflikte, die hier nicht angesprochen worden sind, aber innerhalb eines solchen Familienmodells bei euch problematisch sind?

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